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Seit 2013 sind wir Mitglied im Mitteldeutschen Heimat- und Trachtenverband

Wortmeldung aus Amerika:


Meine Lausitzer

Kurzbericht über die USA-Rundreise mit der Sorbischen Volkstanzgruppe aus Zeißig/Deutschland

Bei jeder Erzählung gibt es einen auslösenden Punkt. Bei mir war es, dass ich Anfang September 2011 einen Anruf von einer Reiseagentur in New York erhalten habe. Es hat schon einen Auftrag über die Reisebegleitung und Stadtbesichtigung in Atlanta von einer Reisegruppe aus Deutschland gegeben. Ich arbeite schon seit Jahren mit verschiedenen Reisegruppen, meistens über diese New Yorker Agentur. Es war also nichts Außergewöhnliches über diesen bestimmten Auftrag. Also, zurück zu diesem Anruf. Man bat mich darin, ob ich die Gruppe zur Gänze übernehmen würde, weil die Fremdenführerin, die für den Hauptteil der Reise engagiert war, krank geworden ist – daraufhin habe ich zugesagt. Nach mehreren Mails wurden dann die zahlreichen Einzelheiten festgelegt und ich war bereit auf Reisen zu gehen. Noch ein Anruf nach Los Angeles (von wo aus der „westliche“ Teil der Reise dirigiert wurde); ich wollte, wie bei allen Aufträgen, erfahren, wer die Teilnehmer der Gruppe sind. Das hilft dem Fremdenführer sich auf das Verhältnis mit seinen Chargen einzustellen – sind das Kongressteilnehmer, ist es eine private Gruppe, ist meine Rundreise ein Fortsetzung anderer Aktivitäten, oder schon das Ganze.

Der liebe Referent in LA meinte, es handelt sich um Herrschaften, die aus Privat-/Familien- gründen in den USA weilen, ihre Freunde in Texas besuchen würden, und eigentlich von einer Minderheit in Deutschland abstammen würden. Hmmm, eine kleine Minderheit noch dazu, mehr wusste man nicht darüber… Als Übersetzer mit langjähriger Erfahrung sollte ich eigentlich über Minderheiten und Volksgruppen, zumindest in Europa, Bescheid wissen. Aber es gab da noch eine Geschichte, lange, lange her, in der Grundschule in Polen, sprach man doch von einem Volk, von „Łużyczanie“, die jenseits, also westlich, der Oder lebten. Eine Recherche ergab, dass es dieses kleine Volk tatsächlich gibt. Da sie sich auch Sorben nennen, müssten sie doch serbisch, oder altserbisch sprechen, aber die Informationen waren so spärlich. Aber genug davon, ich muss ja packen, meine Unterlagen sammeln und zum Flughafen fahren. 

Die Suche nach diesem geheimnisvollen Volk findet seine Fortsetzung dann in Texas. Ich fliege von Atlanta, meiner Wohnstaat, nach Dallas, im Hotel angekommen, überprüfe die gebuchten Hotelzimmer (bei einer Reise ist es ratsam jede Einzelheit, auch so winzig, dreimal zu überprüfen), koordiniere mit dem Reisebus und am nächsten Morgen fahren wir los. Die Gruppe ist bei einem Volkshaus/Museum mitten in Texas, mitten im Nichts abzuholen. Navi ist nicht hilfreich, doch finden den kleinen Fleck im Straßenatlas. Nach ca. vierstündiger Fahrt kommen wir an unserem Ziel an, es ist eine Gruppe dort und auch die Gruppenleiterin, die Frau Gabi. Zum Abschied von ihren amerikanischen Gastgebern singt die Gruppe noch ein Lied, wovon ich nur wenig mitbekommen kann. Auf dem Rückweg nach Dallas lernen wir uns besser kennen und ich versuche mich auf serbo-kroatisch (sorbisch – serbisch -- serbokroatisch?!) zu unterhalten – Fehlschlag, Frau Gabi erklärt mir, es sei nicht die Sprache; das Sorbische befinde sich irgendwo zwischen dem Polnischen und Tschechischen. 

Im Zuge der 10-tägigen Rundreise mache ich mir ein wenig Vorwürfe, dass ich nicht mehr über dieses kleine, sympathische Volk wusste. Aber dann, ist es ein Wunder, wenn ein 50.000 Menschenvolk von großen Nachbarn umgeben ist und mitten in einem riesigen Europa zu Hause ist? Zum Schluss finde ich, dass es am wichtigsten ist, dass diese Menschen ihre Sitten, Bräuche und Sprache über mehr als 1.000 Jahre bewahrt haben. Untereinander sprechen sie mal sorbisch, mal deutsch, ebenso bei Gruppenliedern; zu Feiertagen tragen sie ihre Tracht und zu Feierlichkeiten führen sie ihre Volktänze und Bräuche vor. Viel größere Volksgruppen haben es nicht geschafft die Tradition zu bewahren, meine Lausitzer aber schon. Die lange Rundreise ist viel zu schnell zu Ende – am Flughafen von Atlanta nehmen wir gerührt von einander Abschied – was aber bleibt ist eine neue Freundschaft, viele Erinnerungen über gemeinsame Erlebnisse und schlussendlich das Wissen was die Sorben so an sich haben. 

Frau Gabi und ich haben seitdem mehrere Mails ausgetauscht und ich habe von ihr wertvolle Materialien erhalten, die vorläufig in zwei Sprachen (deutsch und polnisch) ihren Ehrenplatz auf unserer Webseite (expertlanguagetranslations.com) eingenommen haben. 

Jack Nowicki

Atlanta


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